Sind Sie Künstler? - Nein! Ja. Vielleicht...

Okay, d'accord, das würde zumindest erklären, warum ich arm bin und relativ lang überlegen muss, ob ein einzelner Stift für 3 Euro 50 bezahlbar für mich ist. Auf die Frage, was ich damit machen möchte, hatte ich keine Antwort. Bin ich Künstler? Weswegen begehst du Ikeaselbstmord?

Ein Stift für 3 Euro 50 ist für mich nicht bezahlbar - I smoke a lot - aber der Stift war schon irgendwie geil. Die Woche darauf: eine Anzeige wegen geklautem Kuchen, sowas kommt von sowas, Stifte schmecken nicht. Soll ich selbstgemachten Kuchen zur Verhandlung mitbringen?

Was ich mit dem Stift mache? Ausprobieren, experimentieren, auf ganz ungefährliche Weise, zumindest für das Blatt Papier. Für mich zeitweise weniger, was wiederum das "I smoke a lot" erklärt.

Sind Sie Künstler? Unbedingt, denn sonst bin ich Hetzer, Ketzer, Antifaschist und am Ende Nichts. Ich kenne das Ende vom Film zwar schon, hatte ein paar Previews zwischendrin, aber ich würde ungern erleben, dass jemand vorspult, und ich den besten Teil verpasse. (Den Teil, wo wir zusammen tanzen.)

Ja, ich bin Künstler, ich will mich nämlich noch auf die Straße trauen. Und mich abseits der Straße trauen... ein Mädchen zu küssen. Kein Ring mehr zu binden, es gibt nur ein Band, dazu braucht es kein Metall und keine Ketten, nichts Physisches, um zu spüren, dass zwei Menschen zusammengehören. Was hat'n das mit Kunst zu tun?

Aber ich schweife ab, bin ich Künstler? Was mache ich eigentlich den ganzen Tag? Ich hab keine Ahnung. Es ist so viel, dass ich manchmal vergesse, welcher Tag Gestern ist. Das liegt nicht daran, dass ich zu wenig zu tun hab, sondern zu viel. Mein Kopf platzt, läuft über an Ideen, es reicht ein winziges Funkeln zu erspähen, einen Satz zu lesen, einen Ton zu hören, der/die/das noch nie da war und *Bämmm!* schon ist eine neue Idee da, eine neue Welt in meinem Kopf geboren. Und eine Träne fließt manchmal leise, salzig, fein, wenn ich sehe, dass ich am Ende doch alleine da stehe, Mütter und Väter mit Kindern an mir vorbeigehen. Dann schreie ich manchmal hinterher "Das ist Mobbing, das macht ihr mit Absicht", das ist keine Midlife Crises, das ist der letzte Punk, der immer noch nicht D(e)ad ist, nicht mehr.

Deswegen kann ich machen, was und wie ich will, vielleicht den perfekten Deal, um ein Fundament für uns zu haben, aber vielleicht brauchen wir das garnicht, vielleicht brauchen wir - unterm Strich - nur ein nettes Gesicht, ein ehrliches Lachen, einen Clown, mit allerlei lustigen Sachen in seinen Taschen, jemanden der sich zum Affen macht und zwar nicht aus politischen Gründen, sondern um den Krieg mit Freu(n)de(n) zu bekämpfen. Um den Eltern ihren Kampf zu erleichtern, denn sie haben es schwer genug, in diesen harten Zeiten, ihr Lächeln zu bewahren und ihren Kindern eine gute Welt zu offenbaren. Und vielleicht, ganz vielleicht, brauchen wir einen Wagen.

Am besten auf Herz reimt sich immer noch Ritalin, dann ist der Takt ganz gleichmäßig zu jeder Zeit, keine Hoch, kein Tief, kein Schmerz, kein Lachen. Aber Schmerz gehört dazu, ein lautes Kind im Geschäft, eine Mutter die weint wegen eines Stifts, eines Traums, eines kleinen Mädchens, den sie nur zu gut kennt, und jetzt ist endlich der Tag wo sie nicht mehr flennt, wo sie brüllt und schreit, eine Frau ist und das kleine Mädchen ist befreit.

Dieses Mädchen, diese Frau, mit der will ich eine Welt erbauen, über Felder rennen, Äpfel pflücken und sich nur bücken, vor Prinzen und Prinzeschen, klein, denn diese werden bald Bestimmer sein. Und sollen wir schon wieder sagen: Das war schon immer so, das haben andere vor uns gemacht, wir haben immer nur gedacht, gedacht, gedacht. Gedacht "Was kann man schon machen?", mit diesem einem Stift, anstatt ihn einfach zu benutzen, die Wände zu verfeinern, das grau zu verwandeln in bunte Glitzerfarben, es allen zu sagen, zu sagen, dass wir bereits genug Beton haben, dass bereits genug begraben sind, dass das Spinnen aufhören muss, sonst schalten wir ab, mit einem Druck, auf die Fernbedienung, die Sendung ist zu Ende, ohne Abspann, mitten im Satz, was wird passieren, niemand wird es jemals erfahren, denn niemand könnte es ertragen, das Ende des Films vorher zu wissen und die nächste Sendung zu verpassen.

Ich schon, meine Vorschau sah ich wieder und wieder und wieder und wieder, ich weiß was passiert, wie alles endet und wozu der Stift zu benutzen ist und warum er oft wichtiger ist, als ein Fingerwisch.

Bin ich ein Künstler, ja bitte! Bitte, gerne, unbedingt. Ich greife nichtmal nach den Sternen, sie sollen bleiben wo sie sind. Ich will nur bewahren mein eigenes inneres Kind, denn die scheint mir die Einzigste zu sein, die versteht, was ich wie mein, die mich kennt.

"Un enfant creatif est un adult qui survecre." (An einer Schule in Laon, Frankreich, gelesen. Merci.)

Ich habe jede einzelne meiner Zellen schreien hören "Wir wollen nicht sterben." - Nein, das ist gelogen, als wir das Licht gesehen haben, schrien all die Millionen Zellen im Chor "Ich will leben. Ich will leben. Ich..." Und noch stehe ich da, und deswegen mache ich nicht mehr bei eurem falschen Spiel mit, weil das Licht pures Chaos ist, noch mehr als ich auf der Erde hier jemals erblickt... hab.

Wozu ist eigentlich der Stift? Für Jeden, für dich, dich und dich, ihr sollt in benutzen! Sind wir nicht alle Künstler und wenn es nur beim Erschaffen der physischen Realität geschieht?! Bei dem Stern, der neben uns durch die Straßen stolpert und seine feine Hand fest um unseren kleinen Finger drückt? Kann er den Stift schon halten, und die Realität mitgestalten? Ich denke grad vor allem an den Golfer und seine Frau und ihre zwei wunderschönen Kinder.

Eine Idee, ein Blatt Papier, ein Stift. Eine Schaufel, ein paar Steine, ein Sandkuchen gegen Langeweile. Eine Mutter, ein Vater, ihr Kind. Ein Kind, ein Blatt Papier, ein Stift. Eine Handwerker, ein paar Bretter, ne handvoll Nägel. Ein erwachsener Junge, eine erwachsenes Mädchen, ihr Sohn, ihre Tochter. Zwei Blatt Papier, zwei Stifte, wieviele Ideen kannst du sehen? Kannst du das ausrechnen? Ich nicht!

Wozu ist der Stift?

Welchen Sinn macht ein Gedicht... ohne Regeln?

Sei nicht traurig.

Nie.

Denn Kinder brauchen dich, dich, dich!

david moritz, heinsberg, 22.03.2017


(Den Stift hab ich bei L.v.d.B. in GK gekauft, mit 12 hab ich da auch schonmal geklaut. Danke meiner ersten Freundin, 6. Klasse Gymmi, für den ersten unschuldigen Kuss. Danke Tommy, für die ehrliche Rauferei und die Abenteuer die wir einen Sommer zusammen erlebt haben, schade, dass du wegziehen musstest. Danke Mädels J. & J., für die Idee einen Ferrari von oben bis unten mit Michael Jackson Bildern zu bekleben. Ich musste erst erwachsen werden & mehrfach sterben, um das verstehen zu können.)

Was ich mit dem Stift mache? - Hihi, das ist geheim! :-P

Mist, ich hab grad aus Versehen die Nachrichten gehört. Soll ich was schreiben zu London, oder dass mich die tote Katze auf der Straße stört?

Gut Nacht.

P.S.: Reimregeln und Lyriktechnik interessieren mich nicht, alles was du liest ist ein David Moritz, ein Arschloch, ein Niemand, ein Nichts.

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